„Wir sind eine Gemeinschaft.“

Interview mit Hugo Winkels von dem Kölner Schwulen- und Lesbenklub

Mitglieder der LGBTQI-Community erleben leider immer noch häufig Diskriminierung im Bewerbungsprozess. Das liegt meist jedoch nicht an einer böswilligen Absicht der Unternehmen sondern an deren unterbewusstem Handeln oder schlichter Unwissenheit. Worauf Unternehmen achten sollten und wie sie für dieses Thema sensibilisiert werden können, lest ihr in unserem Blogbeitrag, den wir anlässlich des Pride Months verfasst haben.

Um mehr über die Herausforderungen der LGBTQI-Mitglieder zu erfahren, haben wir uns mit Hugo Winkels, ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Kölner Schwulen- und Lesbentag – KluSt e.V., ausgetauscht. Der Verein organisiert den Cologne Pride (CSD), der jährlich in Köln stattfindet. Mit über 1,5 Millionen Besuchern ist er der größte Pride Europas dieser Art. Dabei nehmen neben den Mitgliedern der Community auch Unterstützer, sogenannte Allies, an den Demonstrationen teil. Laut Winkels befinden sich darunter zum Beispiel Omas mit Enkeln oder auch komplette Familien – eben ein Querschnitt der Gesellschaft.

Leider wird diese Vielfalt und Toleranz nicht in allen Teilen der deutschen Bevölkerung akzeptiert und gelebt. Zwar gibt es inzwischen die gleichgeschlechtliche Ehe, jedoch herrscht immer noch zu viel Gegenwind von intoleranten Mitbürgern. Daher ist es umso wichtiger, dass „[…] wir weiterhin für unsere Rechte kämpfen, friedlich kämpfen […] und das ganze mit einem Lächeln“. 

Besonders Unternehmen besitzen laut Winkels die Aufgabe, eine liberale Unternehmenskultur zu schaffen, damit alle Mitarbeitenden Zugang zu den Werten und Vorstellungen der LGBTQI-Community erhalten können. Dabei nimmt er besonders die Vorstände und Führungskräfte der jeweiligen Unternehmen in die Pflicht, den Mitarbeitenden ein respekt- und verständnisvolles Miteinander vorzuleben: „Der Fisch stinkt vom Kopf“. Denn wenn die Individualität eines jeden Mitarbeitenden selbstverständlich ist, so wird diese fester Bestandteil der Werte und Normen des Unternehmens. Auch gibt es inzwischen die Möglichkeit, sich professionelle Unterstützung bei den Schritten in die richtige Richtung zu holen, denn auch für potenzielle Mitarbeitenden kann dies eine Signalwirkung erzeugen und somit positiv auf die Arbeitgebermarke einwirken.

Besonders Menschen, die kaum Berührungspunkte mit der LGBTQI-Community haben, können so von Anfang an die richtige Kommunikation und den richtigen Umgang lernen. Insgesamt soll der allgemeine Kenntnisstand weiterhin verbessert werden, um die Empathiefähigkeit und emotionale Intelligenz der Menschen untereinander zu verstärken. Bei vielen Menschen sei die Akzeptanz von Transgendern oder anderen sexuellen Orientierungen/Identitäten einfach nur eine Frage der Gewöhnung. Schließlich haben sich im Laufe der Zeit viele zu Beginn ungewöhnliche Dinge zu selbstverständlichen Angelegenheiten entwickelt, so Winkels.

Ein weiterer wichtiger Punkt den er anführte ist, dass das Bilden von LGBTQI-Gruppen, die das Unternehmen auf Veranstaltungen wie den CSD repräsentieren, nicht als Marketingmaßnahme missbraucht werden darf, da es nicht authentisch wirkt und die Wertvorstellungen der LGBTQI-Community verletzt. „Wenn sich allerdings Unternehmen und deren Mitarbeitenden sich mit Herz und Blut dafür einsetzen, dann ist das eine tolle Aktion sich in einer Demonstration zu präsentieren.“

Die sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Herkunft, etc. sollten bei der Einstellung neuer Mitarbeitenden keine Rolle spielen, betonte der LGBTQI-Experte. Denn Mensch ist Mensch und jeder sollte so akzeptiert werden, wie er ist. Die einzigen Kriterien, an denen Bewerber gemessen werden sollten, sind die fachlichen Qualifikationen, das Studium, die Persönlichkeit und die bereits gesammelten Erfahrungen. Winkels fordert die Unternehmen dazu auf, die „komplette Neutralität“ beizubehalten.

Fazit

Wir bedanken uns bei Hugo Winkels für das nette und aufschlussreiche Gespräch! Wir werden versuchen das Gesagte auch in Zukunft so gut wie möglich umzusetzen, und hoffen, dass wir auch Euch dazu inspirieren konnten, denn:

„Wenn es nicht immer Menschen gegeben hätte, die sich dafür einsetzen, dann wären wir nicht da wo wir heute sind. Und deshalb ist es wichtig, dass es auch heute noch Menschen gibt, die sich dafür einsetzen.“

PS: Für mehr Infos rund um das Thema schaut gerne auf der Website des KLuST e.V. vorbei!

https://www.colognepride.de

Schreibe einen Kommentar